werth in Erz gegraben zu werden

Das vorangegangene Posting (Burn after reading) haben einige Leser übelgenommen. Zu deren Besänftigung möge die folgende, auszugsweise mitgeteilte, ebenso unerhörte wie bedenkenswerte Würdigung des ›Kohlhaas‹ beitragen, die der 20jährige Gershom Scholem am 26. Juni 1918 seinem Tagebuch anvertraut hat (das Studium des vollen Wortlauts sei nachdrücklich empfohlen):
»Michael Kohlhaas von Kleist ist ohne Zweifel ein Stück der größten Prosa, die die deutsche Literatur besitzt. Völligere Reinheit der Sprache, größere sprachliche Stetigkeit, Keuschheit und Ruhe auch bei den ungeheuren Vorfällen, wo ein Himmel und eine Hölle beschworen werden, können nicht angetroffen werden. […] Diese Geschichte ist nicht schön. […] Das ganz Große ist niemals schön: die Bibel, Dostojewski oder hier Kleist. […]
Das Große, das unbedingt Legitime in der Sprache muß historisch sein. Daß Kleist völlig diesem letzten Maßstab gerecht wird, macht, daß niemand ihn je wird übertreffen können: Die Historie in der Sprache ist das Ziel der Prosa.«
(Gershom Scholem: Tagebücher nebst Aufsätzen und Entwürfen bis 1923. 2. Halbband 1917-1923. Hrsg. von Karlfried Gründer u.a. [Frankfurt am Main: Jüdischer Verlag, 2000], S. 259f.)

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