Wie einst im Kukuruz

»Dagegen möge es gestattet sein, an ein Abenteuer mit dem Kleist’schen Gedichte ›Der Schrecken im Bade‹ zu erinnern, wo eine kleine grammatikalische Unbedachtsamkeit dazu führt, diesen selbst zu übertrumpfen. Kleist gebraucht als den Genitiv von Mai ›des Mais‹, was keineswegs falsch ist, aber gerade in der Stelle:

Nun heiß, fürwahr, als sollt’ er Ernten reifen,
War dieser Tag des Mais und, Blumen gleich,
fühlt jedes Glied des Menschen sich erschlafft
an Kukuruz denken läßt. Gedacht, gesagt. Achtzehn Zeilen später lese ich:
                                                        — — und lauert
Dem Hirsch auf, der uns jüngst den Mais zerwühlte.

Ein stilistisches Verhängnis, dem zu entrinnen es eben doch an etwas gefehlt hat.«
(Karl Kraus: Zur Sprachlehre, in: Die Fackel, Nr. 679-685, März 1925, S. 95-108; hier S. 103)

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