Wurstzeitung

Wilhelm Grimm hat in seinem Brief an Paul Wigand vom 18. November 1810 den locus classicus für Kleists Berliner Abendblätter geprägt: »Es […] soll eigentlich eine ideale Wurstzeitung seyn.« Im Deutschen Wörterbuch (Bd. 30, Sp. 2310) findet sich das Wort, mit Hinweis auf die Briefstelle, und es heißt: »in einer gruppe meist abstrakter bildungen hat wurst, von verschiedenen, hier auch von übertragenen bedeutungen her, abwertenden oder doch vergröbernden sinn […] mit der vorstellung des geringwertigen und bäuerlichen.«
Grimms Adressaten war die Bezeichnung durchaus vertraut, denn: »Im Kurfürstenthum Hessen-Kassel erschien zu Kassel am 5. Februar 1731 die erste Zeitung unter dem Titel ›Fürstlich Hessische privilegirte Polizey- und Commerzien-Zeitung‹, spottweise auch die ›Wurstzeitung‹ genannt, weil darin stets der Preis des Fleisches und der Würste angegeben war.« (Herrmann Wagener [Hrsg.]: Neues Conversationslexikon. Staats- und Gesellschafts-Lexikon. Bd. 22 [Berlin 1866], S. 714).
Aber auch für Backwaren stand die Kasseler Zeitung offen. Grimm am 12. Februar 1805 an seinen Bruder Jacob über einen Brief von Wigands Onkel: »Es war eine förmliche Sollizitazion um Marb[urger]. Milchbrote, die noch nicht abgeschickt waren. Er schreibt so ängstlich darum und führt an daß er mehre dafür intereßirt habe. Nun schickt der W. einen kleinen Verschlag voll ab und läst in die Wurstzeitung rücken in K[assel]. bei N. N. wären frische M. Milchbrote zum Besehen angekommen, worauf ihm die ganze Bäckerzunft auf den Hals rücken wird.« (Heinz Rölleke [Hrsg.]: Briefwechsel zwischen Jacob und Wilhelm Grimm. Teil 1 [Stuttgart 2001], S. 34). – Die Bäckerblume gibt es erst seit 1954.

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