Zum Erschießen

** Von Reinhard Pabst, Bad Camberg **
Unter dem Eindruck einer Probe mit dem Amsterdamer Concertgebouw-Orchester für die holländische Erstaufführung seiner III. Sinfonie schrieb Gustav Mahler am 21. Oktober 1903 an seine Frau Alma: »Es ist zum Erschießen schön! Ich kann es nicht beschreiben, was ich Alles dabei durchlebe, wenn ich diese Töne wiederhöre.«
Damit zitierte der Komponist einen angeblichen ›Lieblingsausdruck‹ Kleists (so Ernst August Hagen, 1854), der seit Eduard von Bülow (1848) zum geflügelten Wort geworden war und den er vermutlich aus der Kleist-Biographie von Otto Brahm (1884) erinnerte: »Eines Tages, so wird erzählt, als Henriette durch ihren Gesang den Freund entzückt hatte, rief er aus: ›das ist zum Erschießen schön!‹« (S. 382). Mahler las sie im Sommer 1893 (»Ein prachtvolles Buch«, wie er seiner Schwester Justine schrieb) – anderthalb Jahre, bevor sein Lieblingsbruder Otto sich mit einem Revolver, den er immer bei sich getragen haben soll, erschoß.

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