Zum Kulturhauptstadtjahr

** Von Martin Maurach, Lüneburg **
Vom ersten April 1944 datiert ein gleichwohl ernster Brief des Verlages J. Kadilis aus der »Theaterstraße« in Riga an Georg Minde-Pouet. Der Verleger bedankt sich für Minde-Pouets ›günstige‹ Äußerungen über seine lettische Ausgabe des Michael Kohlhaas – die Übersetzerin hieß Lisette Skalbe – und übersendet ein Exemplar. Als Gegengabe bittet er »bei den herrschenden Devisenvorschriften« um Naturalien: »ein gleichwertiges deutsches Buch […], das entweder zum Übersetzen angemessen wäre, oder auch unseren Verlag mit der graphischen Ausstattung interessieren könnte.« Offen läßt er, ob dieses ›Interesse‹ in eine Kopie münden sollte, kommuniziert er doch ohnehin unter Kolonialbedingungen. Die deutsche Besetzung Lettlands, das 1940 in die Sowjetunion eingegliedert worden war, endete aber immerhin noch 1944. Unnötig zu sagen, mit welchen Gefühlen man dort heute auf den übermächtigen Nachbarn im Osten blicken mag.
(Quelle: Teilnachlaß Minde-Pouet, Stiftung Zentral- und Landesbibliothek Berlin, z. Zt. im Kleist-Museum Frankfurt [Oder])

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