Zwei wissenschaftliche Kulturen

Aus einem Vortrag von Peter von Matt anläßlich der Jahresversammlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften:
»Ein Jahr vor seinem Tod hat Heinrich von Kleist den folgenden kleinen Text veröffentlicht. Er nennt ihn Fragment [Berliner Abendblätter, 10. Dezember 1810]:
›Man könnte die Menschen in zwei Klassen abteilen; in solche, die sich auf eine Metapher und 2) in solche, die sich auf eine Formel verstehn. Deren, die sich auf beides verstehn, sind zu wenige, sie machen keine Klasse aus.‹
Das ist ein exemplarischer Akt der Klassifizierung. Und er betrifft gleich alle Menschen. Die Kommentatoren sind vorwiegend der Meinung, Kleist wolle hier die Wissenschaftler von den Künstlern unterscheiden. Nun bilden aber Wissenschaftler und Künstler zusammengenommen nur einen kleinen Teil der ganzen Menschheit. Die Aussage ist jedoch eine übergreifend anthropologische. Als solche betrifft sie auch die Wissenschaftler, bei denen es folglich ebenfalls beide Klassen geben muss, jene, die sich auf eine Metapher, und jene, die sich auf eine Formel verstehen. Damit umreisst Kleist fast hundert Jahre vor Dilthey die Trennung in zwei wissenschaftliche Kulturen.« http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Wie-wir-die-Welt-im-Geist-ordnen-/story/13738987

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