Zweimal H. v. K.

** Von Arno Pielenz, Cottbus**

Kleist als Narr …
»Wenn dann der Dichter sich in einer Lage befindet, wo er großer Gegenstände bedarf, um daran seine Phantasie zu üben, ohne sie weder in der Vergangenheit noch Gegenwart zu finden, wo die großgezogene Reflexion an jede Schöpfung unmöglich zu befriedigende Anforderungen macht und der Ballast an Wissen sich an die Flügel des Pegasus hängt, wo ›die großen Auen der Wissenschaft mit Bäumen der Erkenntnis irrende Düfte um ihn her verbreiten‹, da kann der Dichter ein Narr werden – dafür liefert das Schicksal von Heinrich von Kleist ein Beispiel.« (W[ilhelm] Neumann: Jean Paul Friedr. Richter. Eine Biographie. Kassel: Ernst Balde 1853. S. 200f.)

… und als Genießer
»Aber ich glaube, daß zum Beispiel Kleist genußfähiger war als Goethe. Das hängt sicherlich damit zusammen, daß Goethe gesünder war als Kleist. Gesünder auch im Sinne von anpassungsfähiger, was sich auf den Umgang mit den Verhältnissen und Verhaltensnormen bezieht. Goethe war, wenn man so will, realitätstüchtiger als Kleist. Aber eine solche Gesundheit beschädigt die Genußfähigkeit. Je gesünder man ist, um so weniger kann man genießen. Kleist war offenbar in der Lage, sogar seinen Selbstmord noch zu genießen.« (Heiner Müller: »Zur Lage der Nation« [Im Interview mit Frank M. Raddatz]. Berlin: Rotbuch 1990. S. 70f.)

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